Schwangerschaftsdiabetes - Ursachen, Anzeichen und Risiken


Von Windelprinz Redaktion -

Schwangerschaftsdiabetes wird auch als Gestationsdiabetes, Gestationsdiabetes mellitus (GDM) oder Typ-4-Diabetes bezeichnet und ist eine der häufigsten Begleiterkrankungen während der Schwangerschaft.

Ein Typ-4-Diabetes wird erstmals während der Schwangerschaft diagnostiziert. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung ist besonders wichtig, denn dadurch können schwerwiegende Folgen bei Mutter und Kind verhindert werden.


Schwangerschaftsdiabetes
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Die frühzeitige Erkennung von Schwangerschaftsdiabetes ist sehr wichtig.


Nach aktuellen Erhebungen tritt Schwangerschaftsdiabetes bei etwa 4 bis 5 Prozent der werdenden Mütter auf. Die Tendenz der letzten Jahre ist steigend. Die Aussagen zur Häufigkeit gehen jedoch weit auseinander, da während der Schwangerschaft die Übergänge von einem leicht erhöhten Blutzuckerspiegel und Diabetes fließend sind. Einen genauen Schwellenwert gibt es nicht.


Bitte beachte: Dieser Artikel dient der Information. Er ersetzt jedoch keine individuelle Beratung oder Untersuchung durch deinen Hausarzt oder Gynäkologen.


Wie bekommt man Schwangerschaftsdiabetes?

Die Ursachen von Schwangerschaftsdiabetes sind noch nicht vollständig erforscht. Vermutet wird, dass die betroffenen Frauen bereits vor der Schwangerschaft eine chronisch verringerte Insulinsensitivität hatten und die Körperzellen schon vorher weniger auf Insulin ansprachen. Im Verlauf der Schwangerschaft verstärkt sich das, da ab der 20. Schwangerschaftswoche die Körperzellen unempfindlicher gegenüber Insulin werden. Ursächlich hierfür ist wiederum der veränderte Stoffwechsel bei werdenden Müttern:


Hormonelle Einflüsse


Während der Schwangerschaft wird der Zucker aus dem Blut langsamer von den Körperzellen aufgenommen. Das führt zu erhöhten Blutzuckerwerten nach Mahlzeiten oder auf Dauer. Verschiedene Schwangerschaftshormone wie das humane Plazentalaktogen, Östrogen, Cortisol, Prolaktin und Progesteron treten als Gegenspieler zum Insulin auf und können zu einer erhöhten Insulinresistenz führen. Die Hormone werden ausgeschüttet, um eine optimale Entwicklung des Kindes zu fördern und den Körper besser mit Energie zu versorgen. Die Körperzellen sprechen weniger als sonst auf das blutzuckersenkende Insulin an. Erhöhte Blutzuckerwerte und Diabetes Typ 4 treten auf, wenn die Bauchspeicheldrüse keinen Ausgleich mehr durch eine erhöhte Insulinausschüttung schaffen kann.


Risikofaktoren


Verschiedene Risikofaktoren können einen Diabetes in der Schwangerschaft zusätzlich begünstigen: Ein solcher Risikofaktor ist Übergewicht mit einem Body-Mass-Index vor der Schwangerschaft von mehr als 27. Die Fettzellen des Bauchfetts setzen Botenstoffe frei, die eine Insulinresistenz der Körperzellen fördern. Das Risiko wird auch durch eine starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft erhöht. Leiden die Eltern oder Geschwister der werdenden Mutter bereits unter Diabetes Typ 2, steigt das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes. Forscher gehen davon aus, dass Diabetes durch eine erbliche Veranlagung begünstigt wird.

Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn ihr bereits zuvor ein Kind mit einem Geburtsgewicht von mehr als 4.500 Gramm oder ein Kind mit schweren Fehlbildungen zur Welt gebracht habt. Weitere Risiken sind ein Alter der werdenden Mutter von mehr als 30 Jahren, mehrere Fehlgeburten, eine Erkrankung mit Insulinresistenz oder die Einnahme von Medikamenten wie Blutdrucksenker, Antidepressiva oder Kortison. Auch die ethnische Zugehörigkeit spielt eine Rolle. Am häufigsten sind Frauen aus Afrika, Mittelamerika, dem Mittleren Osten sowie Ost- und Südasien betroffen.


Wie kann man Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen?

Mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist, könnt ihr einem Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen. Eine Umstellung der Ernährung ist vor allem für übergewichtige oder adipöse Frauen sinnvoll. Ihr solltet den Konsum von Kohlenhydraten einschränken und zu einer ballaststoffreichen Ernährung übergehen. Eine Ernährung mit drei nicht zu großen Hauptmahlzeiten und zwei bis drei Zwischenmahlzeiten wird häufig empfohlen.

Eine gute Vorbeugung ist auch viel Bewegung. Als sanfte Sportarten eignen sich Nordic Walking, Schwangerschaftsyoga oder Schwimmen. Auf risikoreiche Sportarten mit Sturzgefahr solltet ihr verzichten. Besteht ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt, solltet ihr keinen Sport treiben. Bewegung könnt ihr übrigens auch gut in den Alltag integrieren, indem ihr häufiger auf das Auto oder die öffentlichen Verkehrsmittel verzichtet und kürzere Strecken mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegt.


Bewegung
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Wie Studien zeigen, senkt Bewegung das Risiko für einen Kaiserschnitt. Von 100 Frauen, die sich nur wenig bewegten, hatten 22 einen Kaiserschnitt. Unter den körperlich aktiven Frauen hatten nur 8 von 100 einen Kaiserschnitt.


Anzeichen und Symptome von Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes bleibt zumeist beschwerdefrei. Daher treten bei den meisten Frauen keine Anzeichen oder Symptome auf. Häufig geht Diabetes Typ 4 mit Müdigkeit und Schwäche einher, die jedoch während der Schwangerschaft oft anders gedeutet werden. Ein typisches Symptom ist ein gesteigertes Durstgefühl. Häufiges Wasserlassen ist für eine Schwangerschaft typisch und wird nicht unbedingt mit einem Diabetes in Verbindung gebracht.

Diabetes während der Schwangerschaft kann sich mit verschiedenen Anzeichen bemerkbar machen. Der Zucker im Urin bietet einen perfekten Nährboden für Bakterien und Pilze. Das kann zu Harnwegsinfekten und Scheidenentzündungen führen. Eine gesteigerte Fruchtwassermenge als Anzeichen kann der Frauenarzt mit einer Ultraschalluntersuchung feststellen. Auch eine übermäßige Gewichts- und Größenzunahme des ungeborenen Kindes kann auf einen Diabetes während der Schwangerschaft hindeuten. Ein weiteres Anzeichen kann Bluthochdruck sein.


Wie gefährlich ist Schwangerschaftsdiabetes

Bei vielen Frauen mit Typ-4-Diabetes verläuft die Schwangerschaft normal. Sie bringen ein gesundes Kind zur Welt. Die Blutzuckerwerte normalisieren sich nach der Entbindung wieder.  Diabetes in der Schwangerschaft kann für die werdende Mutter und das ungeborene Kind jedoch mit verschiedenen Risiken verbunden sein.


Risken und mögliche Folgen für die Mutter


Für die Mutter besteht ein höheres Risiko für Bluthochdruck, der mit Eiweißausscheidungen im Urin und Wassereinlagerungen im Gewebe verbunden sein kann. Diese Gruppe von Symptomen wird als Präeklampsie bezeichnet und ist eine Vorstufe der lebensbedrohlichen Eklampsie. Sie ist durch Krampfanfälle, Flimmersehen und Kopfschmerzen gekennzeichnet.

Lebensgefährlich ist auch das HELLP-Syndrom, das sich innerhalb einer Stunde ausbilden kann. Es macht sich mit einem Zerfall der Blutzellen, erhöhten Leberwerten und einer niedrigen Zahl an Blutplättchen bemerkbar. Häufige Anzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, heftige Oberbauchschmerzen und Durchfall.

Auch Harnwegsinfekte können durch Schwangerschaftsdiabetes begünstigt werden. Eine Blasenentzündung kann sich schnell zu einer Nierenbeckenentzündung entwickeln. Wird der Diabetes während der Schwangerschaft nicht durch eine Umstellung der Ernährung oder Insulin behandelt, kann es zu gefährlich hohen Blutzuckerwerten kommen.


Schwangerschaftsdiabetes
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Risken und mögliche Folgen für das Baby


Typ-4-Diabetes stellt auch ein erhöhtes Risiko für das ungeborene Kind dar. Es kommt häufiger zu Fehl- und Frühgeburten. Zu viel Fruchtwasser kann zu einem vorzeitigen Blasensprung führen, wenn die Gebärmutter das Fruchtwasser nicht mehr halten kann.

Der Körper des Ungeborenen reagiert auf die erhöhten Blutzuckerwerte der Mutter mit einer erhöhten Insulinproduktion. Das führt zu einem übermäßigen Wachstum des Kindes. Die Größe des Kindes kann zu Komplikationen bei der Geburt führen. Bleibt die Schulter des Kindes im Becken der Mutter hängen, wird das Kind während der Geburt nicht genügend mit Sauerstoff versorgt. Gegenmaßnahmen, die von Ärzten und Hebammen getroffen werden, können beim Kind zu kleinen Verletzungen führen. Ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen des kindlichen Herzens besteht vor allem, wenn Schwangerschaftsdiabetes bereits frühzeitig auftritt. Auch wenn das Neugeborene oft groß und schwer ist, kann es funktionell unreif sein. Die Lungenfunktion ist häufig eingeschränkt. Aufgrund der gesteigerten Insulinproduktion im Mutterleib kann es nach der Geburt zu einer Unterzuckerung beim Baby kommen.


Mögliche Langzeitfolgen von Typ-4-Diabetes


Viele Frauen, die bereits Typ-4-Diabetes hatten, leiden bei weiteren Schwangerschaften erneut unter Diabetes. Wurde der Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin behandelt, besteht ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes in den nächsten zehn Jahren.

Aber auch für das Kind kann ein mütterlicher Diabetes während der Schwangerschaft (insbesondere unbehandelt) zahlreiche Langzeitfolgen mit sich bringen. Das Risiko, im Laufe des Lebens selbst an Diabetes mellitus zu erkranken, ist signifikant höher. Neben den vorweg genannten Fehlbildungen kann es außerdem zu dauerhaften Stoffwechselstörungen, sowie zu einer besonderen Disposition für Übergewicht und das metabolische Syndrom kommen. (Quelle: Plagemann et al.)


Die richtige Ernährung bei Typ-4-Diabetes

Eine individuelle Ernährungsberatung hilft euch, den Diabetes während der Schwangerschaft mit der richtigen Ernährung zu behandeln. Die Blutzuckerwerte werden auf ein gesundes Niveau abgesenkt, während eine Unterzuckerung vermieden wird. Die Umstellung der Ernährung soll zu einer normalen Gewichtszunahme der Mutter und einem normalen Wachstum des Kindes führen. Pro Tag sollen Frauen 1.800 bis 1.400 Kilokalorien zu sich nehmen.

Den größten Teil der Ernährung sollen 40 bis 50 Prozent langsam resorbierbare Kohlenhydrate ausmachen, zu denen Vollkornprodukte gehören. Täglich solltet ihr mindestens 30 Gramm Ballaststoffe in Form von Vollkornprodukten, Obst und Gemüse zu euch nehmen. Die Ernährung sollte 30 Prozent Fette enthalten. Pflanzliche Fette sind besser als tierische Fette geeignet. Der Eiweißanteil sollte 20 bis 30 Prozent ausmachen und durch Milchprodukte sowie fettarme Fleisch- und Wurstwaren gedeckt werden. Auf Süßigkeiten, Weißmehlprodukte und üppige Fleischmahlzeiten solltet ihr verzichten.


Ernährung
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Tipp: Lest zu diesem Thema auch unseren Blogbeitrag "Zuckerfrei von Anfang an"


Wie hoch darf der Blutzuckerwert in der Schwangerschaft sein?

Einen Schwellenwert, der den Übergang von leicht erhöhtem Blutzucker zu Schwangerschaftsdiabetes definiert, gibt es nicht. Vor dem Essen ist ein Wert von 3,6 mg/dl und 5,3 mmol/l normal. Eine Stunde nach dem Essen sollte der Wert bei 7,7 mmol/l liegen, während zwei Stunden nach dem Essen ein Wert von 6,6 mmol/l angestrebt wird.


Der Zuckertest für Schwangere

Ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes findet zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche statt. Der Test besteht aus einem Vortest und einem Diagnosetest. Beim Vortest muss die Schwangere ein Glas Wasser mit 50 Gramm Glukose trinken. Eine Stunde später wird Blut aus der Armvene abgenommen und untersucht. Bei einem Wert von mehr als 7,5 mmol/l erfolgt der Diagnosetest. Die Schwangere erhält einen Termin, zu dem sie nüchtern erscheinen muss. Im nüchternen Zustand erfolgt eine Blutabnahme. Nachdem die werdende Mutter ein Glas Wasser mit 75 Gramm Glukose getrunken hat, erfolgen Blutabnahmen nach einer und nach zwei Stunden.


Behandlung mit Insulin

Führen eine Ernährungsumstellung und körperliche Aktivitäten nicht zum Erfolg, kann Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin behandelt werden. Morgens und abends wird Insulin unter die Haut gespritzt. Zusätzlich kann es vor einer Mahlzeit gespritzt werden. Insulin soll den Anstieg des Blutzuckers verhindern.


Insulintherapie
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Studien zeigen auf, dass Kinder diabetischer Mütter nur dann normale vorgeburtliche Insulinspiegel aufweisen, wenn der Schwangerschaftsdiabetes entsprechend behandelt wird. (Quelle: Plagemann et al.) Eine rechtzeitige Insulintherapie kann demzufolge empfehlenswert und notwendig sein, um Komplikationen zu vermeiden und das Risiko für Folgeerkrankungen zu reduzieren.

Nach der Geburt normalisieren sich die Blutzuckerwerte für gewöhnlich wieder. In seltenen Fällen kann es sich um einen erstmals auftretenden Typ-1- oder Typ-2-Diabetes handeln


Quellen:
Plagemann et al., "Fetale Programmierung bei intrauteriner Milieustörung - grundlegende Mechanismen am Beispiel der Körpergewichts- und Stoffwechselregulation")


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