Was passiert bei einem Kaiserschnitt?


Von Windelprinz Redaktion -

Kaiserschnitt
 © cynthia_groth / Pixabay - Was passiert bei einem Kaiserschnitt?

Neun Monate lang wird während der Schwangerschaft auf die Ankunft des neuesten Familienmitgliedes hingefiebert. Die meisten Frauen bereiten sich gedanklich auf eine natürliche Geburt vor. Die Realität ist jedoch oft eine andere. In Deutschland kommen jedes Jahr mehr als 200.000 Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt. Das bedeutet: Fast jede dritte Geburt ist eine Schnittentbindung.

Informiere dich bereits vorab über die häufigsten Gründe für einen Kaiserschnitt, welche Risiken dabei entstehen können und wie die Zeit nach der Geburt per OP aussieht.




Welche Gründe für einen Kaiserschnitt gibt es?

Mediziner unterscheiden zwischen dem primären und sekundären Kaiserschnitt.


Primäre Sectio


Der primäre Kaiserschnitt (auch: geplanter Kaiserschnitt) ist ein Eingriff, für den sich Eltern und Arzt bereits während der Schwangerschaft entschieden haben. In der Regel liegen medizinische Gründe vor, die eine vaginale Geburt unmöglich oder gefährlich machen. Diese Gründe werden wiederum in absolute und relative Faktoren unterteilt.

Zu den absoluten - also zwingend notwendigen - Gründen für eine primäre Sectio zählen unter anderem die Querlage des Kindes, Vorerkrankungen der Mutter oder die Gefahr eines Gebärmutterrisses. Die relativen, situationsabhängigen Gründe umfassen ein überdurchschnittlich großes Baby oder eine Beckenendlage des Kindes, besser bekannt unter dem Namen Steißgeburt. Dein behandelnder Arzt klärt dich während der Schwangerschaft über den notwendigen Kaiserschnitt auf und setzt einen Geburtstermin fest, der vor dem Einsetzen der ersten Wehen liegt.


Sekundäre Sectio


Der sekundäre Kaiserschnitt bezeichnet einen ungeplanten Kaiserschnitt. Die Fruchtblase ist bereits gesprungen und die Wehen haben eingesetzt. Bei der sekundären Sectio wird aufgrund plötzlich auftretender Komplikationen von der vaginalen Geburt auf einen operativen Eingriff umgestiegen. Gründe dafür sind etwa Herztonveränderungen beim Kind, ein Stillstand im Geburtskanal oder eine gefährliche Erhöhung des Blutdruckes bei der Mutter.


Kaiserschnitt auf Wunsch: Deshalb entscheiden sich Frauen für den Eingriff!

Der Kaiserschnitt auf Wunsch der schwangeren Frau stellt eine Sonderform der primären Sectio vor. Beim Wunschkaiserschnitt liegen keine medizinischen Faktoren vor, die den Eingriff rechtfertigen. Die Mutter verlangt aus unterschiedlichen Gründen selbst nach der Sectio. Eine Entscheidung, die in den letzten Jahren immer beliebter wird. Zahlreiche Ärzte und Hebammen sehen die steigende Anzahl von Entbindungen per Kaiserschnitt auf Wunsch jedoch skeptisch. Sie sind davon überzeugt, dass Kaiserschnitte ohne medizinische Indikation zu mehr Nachteilen als Vorteilen für Mutter und Kind führen.


Vorteile des Kaiserschnitts auf Wunsch


Angst vor den Schmerzen der Geburt und das Risiko von Verletzungen im Vaginalbereich - wie etwa dem Dammriss - gehören zu den häufigsten Gründen für einen Wunschkaiserschnitt. Viele Frauen schätzen zudem die bessere Planbarkeit des Geburtstermins.


Nachteile des Kaiserschnitts auf Wunsch


Ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff in den Körper und geht mit all jenen Risiken einher, die ähnliche Operationen mit sich führen, wie Infektionen oder eine schlechte Wundheilung.

Studien zeigen zudem, dass es häufiger zu Atemproblemen bei Neugeborenen gibt, die vor dem Einsetzen der Wehen mittels Sectio auf die Welt gebracht werde. Grund dafür sind die fehlenden Stresshormone, die das Kind im Geburtskanal auf das Atmen vorbereiten. Aber auch der fehlende Kontakt des Kindes mit der mütterlichen Vaginalflora wird unter Experten als potenzieller Nachteil diskutiert. Hinzu kommt das steigende Risiko eines Gebärmutterrisses, falls bei einer weiteren Schwangerschaft auf natürlichem Weg entbunden werden soll.


So läuft ein Kaiserschnitt ab

Nachfolgend erklären wir die typischen Abläufe bei einem Kaiserschnitt. Allerdings ist jede Geburt, egal ob spontan oder per Kaiserschnitt, individuell. Darum folgt an dieser Stelle zunächst ein individueller Geburtsbericht von Youtuberin NadineMari, die ihre persönlichen Erfahrungen einer Geburtseinleitung und einer Kaiserschnitt-Entbindung auf empathische Weise teilt.

Mein Geburtsbericht - Quelle: Youtube | NadineMari


Die Vorbereitung


Bevor es mit der OP losgeht, führen der operierende Arzt und der Narkosearzt noch einmal ein aufklärendes Gespräch mit der werdenden Mutter. Danach werden die Schamhaare abrasiert, um das Infektionsrisiko zu senken. Die Haare im Intimbereich sind Träger von Bakterien und sollten deshalb nicht zu nah an der entstehenden Wunde liegen. Bei einem geplanten Kaiserschnitt kannst du die Rasur natürlich zu Hause vorab selbst erledigen. Weiters wird der Patientin ein Blasenkatheter gelegt.


Die Narkose


Eine Schnittentbindung unter Vollnarkose wird mittlerweile nur mehr in Notfällen durchgeführt. Standard ist die Spinalanästhesie, eine Rückenmarksbetäubung, kurz SPA genannt. Sie ist der rückenmarksnahen Periduralanästhesie (PDA), die als Schmerzmittel bei spontanen Entbindungen eingesetzt wird, sehr ähnlich.

Bei der Spinalanästhesie wird das Mittel zur Betäubung des gesamten unteren Bauchraumes direkt in den Rückenmarkskanal eingeführt. Sie beginnt bereits nach rund 10 Minuten zu wirken. Die werdende Mutter spürt dank der SPA absolut nichts, ist aber bei vollem Bewusstsein und kann so die Geburt und die wichtigen Momente kurz danach miterleben.


Die Operation


Vor dem ersten Schnitt wird ein Tuch zwischen den Kopf der Mutter und den restlichen Körper gespannt. Dieses dient zur Hygiene und der Beruhigung der Frau. Der Chirurg setzt das Skalpell am Unterbauch an und macht einen rund 12 Zentimeter langen Schnitt über dem Schambein. Der ideale Schnitt führt entlang der sogenannten Bikinifalte. Eine zurückbleibende Narbe kann dadurch im nächsten Strandurlaub ganz einfach versteckt werden.

Unter der Bauchdecke durchtrennt der Chirurg dann die Fett- und Muskelschicht, bis die Gebärmutter frei liegt. Dieser wird ein kleiner Schnitt verpasst, der so weit gedehnt wird, bis der Körper des Kindes hindurchpasst. Nach der Durchtrennung der Nabelschnur kann das frisch geborene Baby bereits den Eltern in die Arme gelegt werden, während das Ärzteteam die Plazenta entfernt und Uterus und Bauchdecke wieder zunäht

Geplanter Kaiserschnitt
 © cynthia_groth / Pixabay - Geplanter Kaiserschnitt

Nach der Operation


Ein durchschnittlicher Kaiserschnitt dauert in der Regel zwischen 30 und 45 Minuten. Bis zu zwei Stunden nach dem Eingriff wird die Mutter noch im Kreißsaal überwacht. In dieser Zeit kannst du dein Baby bereits zum ersten Mal stillen. Danach folgt der Aufenthalt in der Wochenstation. Bei einem unkomplizierten Verlauf sind Mutter und Kind weitere drei bis fünf Tage im Krankenhaus.


Sanfter Kaiserschnitt nach der Misgav-Ladach-Methode

Die Misgav-Ladach-Methode wird auch "sanfte Sectio" genannt und gilt als schonendste Art des Eingriffes. Sie wurde vor rund 30 Jahren in Israel entwickelt und ist nach dem Krankenhaus benannt, in dem das erste Kind auf diesem Weg das Licht der Welt erblickte.

Diese besondere Methode beginnt zunächst wie der klassische Kaiserschnitt mit einem rund 12 Zentimeter langen Schnitt durch die Bauchdecke. Das darunter liegende Gewebe wird dann jedoch nur leicht eingeschnitten und von den Helfern im OP mit den Händen gedehnt. Der operierende Arzt öffnet mit einem weiteren Schnitt die Gebärmutter und bringt das Kind zur Welt. Der Eingriff ist insgesamt schonender, die wenigen Schnitte verheilen schneller und die Mutter ist rascher wieder mobil. Auch der Aufenthalt im Krankenhaus kann dadurch kürzer ausfallen.

Wann kann die Misgav-Ladach-Methode nicht durchgeführt werden?


Bei Notfall-Kaiserschnitten kommt fast immer die klassische Technik zum Einsatz. Auch bei Frauen, die bereits einmal im Bauchraum operiert worden sind, sowie bei bestimmten Vorerkrankungen, ist die Misgav-Ladach-Methode ungeeignet. Bei der Wahl einer Geburtsklinik kannst du vorab abklären, welche Schnitttechnik für gewöhnlich durchgeführt wird. Vor allem bei einem Wunschkaiserschnitt fragen viele werdende Mütter nach der sanften Methode.


Die Risiken eines Kaiserschnitts

Wie bei jeder großen Operation entstehen auch bei der Schnittentbindung gewisse Risiken. So sterben etwa dreimal so viele Frauen im Zuge eines Kaiserschnitts als bei einer natürlichen Geburt. In der westlichen Welt ist die operative Art der Entbindung gleichzeitig jedoch so sicher wie nie zuvor. Dennoch solltest du dir - vor allem bei einem Wunschkaiserschnitt - vorab Gedanken über die potenziellen Risiken machen.


Eventuelle Gefahren für die Mutter


  • Wundheilungsstörung: Narben können schlecht verheilen, schmerzen oder optisch als sehr störend empfunden werden.

  • Infektionen: Bakterien während und nach der OP könne die Wunde infizieren und zu Fieber und weiteren Beschwerden führen.

  • Verletzungen: Selten kann es während der OP zu Verletzungen an der Blase, dem Darm und anderen umliegenden Organen oder Gewebe kommen.

  • Thrombose: Verletzte Blutgefäße in Kombination mit wenig Bewegung durch die Bettruhe steigern das Thromboserisiko.

  • Weitere Schwangerschaften: Die chirurgische Öffnung der Gebärmutter kann bei späteren Schwangerschaften zu Problemen führen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn eine Frau sehr rasch nach dem Kaiserschnitt wieder schwanger wird.

  • Seelische Folgen: Manche Frauen empfinden durch die fehlende natürliche Geburt Trauer und Schuldgefühle. Bei geplanten Schnittentbindungen vor dem Einsetzten der Wehen werden typische Geburtshormone nicht ausgeschüttet.

Eventuelle Gefahren für das Kind


  • Atemprobleme: Oft befindet sich noch Fruchtwasser in den Lungen, welches sonst durch den Druck im Geburtskanal herausgepresst wird.

  • Infektanfälligkeit: Die natürliche Bakterienflora im Geburtskanals der Mutter stärkt die Abwehrkräfte des Kindes. Fehlt dieser Kontakt, können die Neugeborenen anfälliger für Erkrankungen sein.

  • Kleine Schnittwunden: Trifft der Arzt beim Öffnen der Gebärmutter das Kind, entsteht ein kleiner Schnitt und eventuell eine Narbe

Regeneration nach einem Kaiserschnitt

Eine Schnittentbindung ist stets mit einer etwas längeren Regenerationsphase verbunden. Der Körper braucht wie nach jeder anderen Operation Zeit um zu heilen. Die Wundheilung nach dem Kaiserschnitt beträgt etwa 10 Tage. Bei Belastungen wie dem Aufstehen, dem Tragen des Kindes oder auch dem Husten können Schmerzen auftreten. Der Frauenarzt verschreibt für diese Fälle besondere Schmerzmittel, welche keinen negativen Einfluss auf das Stillen haben.

Die Gebärmutter braucht nach einer Schnittentbindung ebenfalls etwas länger bei der Rückbildung. Deshalb hält auch der Wochenfluss länger an. Sobald die Wunde verheilt ist, beginnt die Hebamme bei Hausbesuchen mit Bauchmassagen. Mit leichten Beckenbodenübungen kann zur gleichen Zeit ebenfalls begonnen werden. Rund zehn Wochen nach dem Kaiserschnitt können Frauen an Kursen zur Rückbildung teilnehmen.


Was passiert nach dem Kaiserschnitt? - Quelle: Youtube | NadineMari


Kaiserschnitt: Pro und Contra

Was spricht für einen Kaiserschnitt?


  • Medizinische Notwendigkeit auf Anraten des Arztes oder während eines Notfalls
  • Schmerzfreiheit gegenüber der natürlichen Geburt
  • Zeitlich begrenzter Eingriff statt stundenlangen Wehen
  • Bessere Planbarkeit
  • Alternative bei großer Angst vor der Geburt

Was spricht gegen einen Kaiserschnitt?


  • Höhere Risiken gegenüber der natürlichen Geburt
  • Eventuelle Anpassungsstörungen beim Kind
  • Fehlen der typischen Geburtshormone
  • Längere Regenerationsphase für die Mutter
  • Eventuelle auftretende Komplikationen bei der nächsten Schwangerschaft

Quellen:


1. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/71897/umfrage/entbindungen-und-entbindungen-per-kaiserschnitt-in-deutschland/
2. https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/kaiserschnitt/risiken-und-moegliche-folgen/


Kaiserschnitt
 © cynthia_groth / Pixabay - Was passiert bei einem Kaiserschnitt?