Eileiterschwangerschaft - verstehen, erkennen, vorbeugen


Von Windelprinz Redaktion -
       
Eileiterschwangerschaft
 © Andrea Piacquadio / Pexels - Eileiterschwangerschaft - verstehen, erkennen, vorbeugen

Die Feststellung einer Eileiterschwangerschaft ist für jede betroffene Frau ein sehr schwieriger Moment. Leider handelt es sich hierbei nicht um die Erfüllung des gehegten Kinderwunsches. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff? Wie wird eine Eileiterschwangerschaft erkannt? Und was kannst du tun, um dich davor zu schützen? - Das alles erfährst du im Folgenden.


Bitte beachte: Dieser Artikel dient der Information. Er ersetzt jedoch keine individuelle Beratung oder Untersuchung durch deinen Arzt.



Was ist eine Eileiterschwangerschaft?

Eine gesunde Schwangerschaft entsteht, wenn sich die Eizelle um den 7. Tag nach der Befruchtung durch das Spermium in der Schleimhaut der Gebärmutter einnistet. Findet die Eizelle jedoch nicht ihren Weg vom Eierstock in die Gebärmutter, kann sie sich an einer falschen Stelle festsetzen. In diesem Fall sprechen die Ärzte von einer "Extrauteringravidität", was nichts anderes bedeutet als eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter. Die häufigste Form ist die Eileiterschwangerschaft mit 95 Prozent der erkannten Fälle.

Daneben gibt es auch noch andere Formen einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter. Die befruchtete Eizelle kann sich ebenfalls im Bereich der Eierstöcke oder in der Bauchhöhle einnisten. Sehr selten sind Sonderformen wie eine Zwillingsschwangerschaft mit zwei befruchteten Eizellen, wovon nur eine den korrekten Weg in die Gebärmutter eingeschlagen hat, während sich die andere im Eileiter befindet. Ebenso ungewöhnlich sind Fälle, in denen sich eine Schwangerschaft im Bereich einer Narbe von einem vorangegangenen Kaiserschnitt festgesetzt hat. Es sei hier ausdrücklich betont, dass diese Formen überaus selten sind.

Statistisch tritt eine falsche Einnistung der befruchteten Eizelle bei 1 bis 2 Prozent aller schwangeren Frauen auf. Früher handelte es sich oft um eine Komplikation mit großer Gefahr für das Leben der betroffenen Frauen. In unseren Zeiten ist die Sterblichkeit zum Glück sehr viel geringer. Dennoch gilt eine fehlplatzierte Schwangerschaft immer noch als ernstzunehmende Diagnose, die schwerwiegende, gesundheitliche Folgen haben kann. Eine Abklärung durch eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt ist daher in jedem Fall notwendig, wenn du den Verdacht hast betroffen zu sein.


Welche Symptome treten bei einer Eileiterschwangerschaft auf?

Da es sich trotz der falschen Lokalisation um eine Schwangerschaft handelt, kann sie sich entsprechend bemerkbar machen. Viele Schwangere beobachten bereits im frühen Verlauf einer Schwangerschaft eines oder mehrere der nachfolgenden Anzeichen:

Anzeichen einer frühen Schwangerschaft


  • Morgenübelkeit
  • Erbrechen
  • Aussetzen der Monatsblutung
  • Spannungsgefühl der Brüste
  • Häufiges Wasserlassen
  • Kreislaufprobleme bis hin zur Ohnmacht

Wichtig zu wissen ist, dass auch in einer "normalen" Schwangerschaft diese Anzeichen - abgesehen vom Ausbleiben der Periode - nicht auftreten müssen.

Mehr dazu kannst du in unserem Ratgeber Schwanger oder nicht? Typische Anzeichen nachlesen.

Typisch bei einer Eileiterschwangerschaft ist, dass solche Merkmale einer frühen Schwangerschaft oft nur sehr schwach ausgeprägt sind. Auch ein Schwangerschaftstest, wie du ihn in jeder Drogerie oder Apotheke kaufen kannst, kann bei einer Eileiterschwangerschaft positiv sein. Er bietet ebenfalls keine Unterscheidungsmöglichkeit zu einer gesunden Schwangerschaft.


Welche Komplikationen können bei einer Eileiterschwangerschaft auftreten?

Beschwerden verursacht eine Eileiterschwangerschaft meist erst nach 6 Wochen. In dieser Zeit ist zunächst die Monatsblutung ausgeblieben. Zwischen der 6. und 9. Woche kann es nun zu Bauchschmerzen und leichten Blutungen kommen. Der Schmerz geht typischerweise von der Seite aus, wo sich der betroffene Eileiter befindet. Von leichten bis hin zu stärksten Bauschmerzen ist alles möglich.

Der Grund für den Schmerz ist die Aufweitung des Eileiters durch den wachsenden Embryo - er fordert Platz ein, wo für ihn leider keiner vorgesehen ist. Wird nicht rechtzeitig reagiert oder erreicht die Eileiterschwangerschaft unerkannt eine kritische Größe, kann der Eileiter zerreißen. Starke Blutungen können auftreten. Begleitet wird dies von plötzlich einsetzenden, heftigsten Bauchschmerzen und zumeist Kreislaufproblemen wie Schwindel und Ohnmacht. Eine sofortige Vorstellung in der Notaufnahme muss erfolgen.


Wie erkenne ich eine Eileiterschwangerschaft sicher?

Es gibt kein sicheres Anzeichen, worüber du selbst eine fehleingenistete Schwangerschaft erkennen kannst. Nur dein Frauenarzt oder deine Frauenärztin kann durch Ultraschall und Blutuntersuchung eine Eileiterschwangerschaft eindeutig feststellen oder ausschließen. Nach dem positiven Schwangerschaftstest bzw. dem Ausbleiben deiner Periode sollte daher zeitnah eine Untersuchung zur Feststellung der Schwangerschaft erfolgen.

Hast du den Verdacht schwanger zu sein, kannst du dich bei deiner behandelnden Ärztin oder Arzt nach einem Termin erkundigen. So bist du von Anfang an gut versorgt und falls es Komplikationen geben sollte, hast du einen zuverlässigen Ansprechpartner an deiner Seite.


Welche Risikofaktoren gibt es für eine Eileiterschwangerschaft?

Verschiedene Risikofaktoren können eine Eileiterschwangerschaft begünstigen. Dazu zählen mitunter Eileiterentzündungen (Salpingitis), Chlamydien und Endometriose.


Eileiterentzündung


Vor allem eine Entzündung der Eileiter kann das Risiko deutlich erhöhen. Durch ein Aufsteigen von Keimen aus der Vagina über die Gebärmutter kommt es zu einer Beteiligung der Eileiter. Durch die Entzündung entstehen Verklebungen im Innern des Eileiters. Da es der vorgesehene Weg einer Eizelle zu einer gesunden Schwangerschaft ist, durch den Eileiter hindurch zu wandern, kommt es bei Verklebungen nach einer Eileiterentzündung zu Transportstörungen. Eine Fehleinnistung wird wahrscheinlicher.


Verklebung des Eileiters
 © Henrie / stock.adobe.com - Eileiterschwangerschaft bei Verklebung des Eileiters

Eileiterentzündungen können durchaus völlig ohne Beschwerden ablaufen. Betroffene Frauen merken in diesem Fall nicht, dass sie erkrankt waren. Neben der Gefahr von falsch eingenisteten Schwangerschaften besteht auch das Risiko, dass sich ein Eileiter durch eine Entzündung komplett verschließt. Auf diese Weise können Spermien und Eizelle auf der betroffenen Seite nicht mehr zusammenfinden. Die Fruchtbarkeit der Frau ist dementsprechend vermindert. Sind beide Eileiter hiervon betroffen, kann sogar eine Unfruchtbarkeit die Folge sein.


Chlamydien


Chlamydien sind Bakterien, die häufig Harnwege und Geschlechtsorgane befallen. Man spricht dann auch von einer urogenitalen Chlamydien-Infektion. Beschwerden treten bei einer derartigen Infektion nicht immer auf oder sie werden von den Betroffenen nicht richtig gedeutet. Dies führt dazu, dass rund 70 bis 80 Prozent aller Infektionen unentdeckt und folglich unbehandelt bleiben. Infolgedessen können die Bakterien bei einer Frau in den Eileiter aufsteigen. Der Befall kann Spätfolgen wie eine Eileiterschwangerschaft nach sich ziehen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) gibt an, dass in Deutschland etwa 100.000 Frauen unfruchtbar sind, nachdem sie sich beim Geschlechtsverkehr mit Chlamydien infiziert haben.


Endometriose


Auch Endometriose kann die Wahrscheinlichkeit für eine Eileiterschwangerschaft erhöhen. Bei dieser Erkrankung kommt es zum Wachsen von Gebärmutterschleimhaut - also der innersten Schicht der Gebärmutter - außerhalb der Gebärmutterhöhle. Ein typischer Ort ist zum Beispiel an den Eierstöcken. Ebenso gilt die Verhütung durch eine eingesetzte Spirale als Risikofaktor. Denn in seltenen Fällen ist eine Befruchtung der Eizelle trotz liegender Spirale möglich. Hierauf kommt es gehäuft zu einer Einnistung außerhalb der Gebärmutter. Es ist ein wenig so, als würde die befruchtete Eizelle der Spirale ausweichen müssen.


Weitere Risikofaktoren sind:


  • Voroperation an den Eileitern und / oder der Gebärmutter
  • vorausgegangene Eileiterschwangerschaft
  • hormonelle Kinderwunschbehandlung

Weitere Aspekte werden als Risikofaktoren einer Eileiterschwangerschaft diskutiert, sind aber noch nicht abschließend in ihrer Relevanz geklärt. Dazu zählen:

  • Rauchen
  • fortgeschrittenes Alter der Mutter
  • früher, erster Geschlechtsverkehr
  • häufig wechselnde Sexualpartner

Was kann ich zur Vorbeugung tun?

Für alle sexuell aktiven Frauen und Mädchen bis zum Alter von 25 Jahren gibt es die Möglichkeit sich jährlich bei ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt auf Chlamydien testen zu lassen. So kann eine Infektion erkannt und gegebenenfalls rasch behandelt werden. Diese Vorsorgeuntersuchung wird von den Krankenkassen übernommen. Eine Infektion schnell zu behandeln, hilft das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft gering zu halten.


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Diagnose Eileiterschwangerschaft! Was bedeutet das für mich?

Leider kann eine Eileiterschwangerschaft nicht ausgetragen werden. Das bedeutet, die Schwangerschaft muss durch geeignete Maßnahmen beendet werden. Je nachdem wie groß der Embryo bereits ist, wird deine behandelnde Ärztin oder dein Arzt sehr schnell reagieren. Das ist wichtig, um lebensgefährliche Komplikationen zu verhindern.


Welche Behandlung folgt nach der Entdeckung einer Eileiterschwangerschaft?

Nach der Feststellung einer Eileiterschwangerschaft gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten. Die häufigste ist die operative Entfernung der Eileiterschwangerschaft.


Operativer Eingriff


Ob der ganze Eileiter mit entfernt werden muss, ist bei jedem Fall einzeln zu entscheiden. Faktoren wie Größe und genaue Lage der Schwangerschaft im Eileiter sind hier Aspekte, die von den Ärzten Berücksichtigung finden. Bis zu 90 Prozent der erhaltenen Eileiter sind nach der Operation wieder durchgängig.

Bei einer geplanten, operativen Entfernung einer Eileiterschwangerschaft wird nur ein kleiner Schnitt in der Bauchhaut gemacht. Der Eingriff erfolgt unter Betäubung als Laparoskopie (Bauchspiegelung). Das ist ein besonders schonendes Operationsverfahren. Nur im Notfall wird zur Entfernung der Eileiterschwangerschaft ein großer Bauchschnitt gemacht. In solch einer Situation gilt es durch das schnelle Eingreifen zum Beispiel eine unkontrollierte Blutung zu stoppen.


Medikamentöse Therapie


Neben der operativen Entfernung gibt es die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie. Das zumeist verwendete Medikament Methotrexat (MTX)) ist ein sogenanntes "Zellgift" und wird auch in der Chemotherapie bei Krebserkrankungen eingesetzt. Für den Abbruch einer Eileiterschwangerschaft ist die Dosis des Medikaments aber deutlich geringer. Dadurch sollen zudem Nebenwirkungen vermieden werden. Ausgeschlossen sind sie aber leider nicht.

Ebenso muss nach einer medikamentösen Therapie für mindestens ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr durch eine sichere Verhütung eine erneute Schwangerschaft verhindert werden. Eine Schwangerschaft in dieser Zeit könnte sonst womöglich durch das verwendete Medikament geschädigt werden. Es muss sichergestellt werden, dass das Medikament keinen Einfluss mehr auf eine Folgeschwangerschaft hat. Tatsächlich bringt ein medikamentöses Vorgehen den Vorteil, dass der betroffene Eileiter nicht durch eine Operation zusätzlich beschädigt werden kann.


Abwarten meist keine Option


Ob eine Operation oder die Einnahme eines Medikaments sinnvoll ist, entscheiden die Ärzte immer im Einzelfall und besprechen die möglichen Optionen mit ihren Patientinnen. Ein reines Abwarten, ob die Eileiterschwangerschaft von selbst abgeht, ist in den allermeisten Fällen nicht möglich. Oft ist bei Feststellung die Eileiterschwangerschaft schon weit fortgeschritten und Komplikationen somit ein zu großes Risiko.


Fazit

Eine Eileiterschwangerschaft kann zu gefährlichen Komplikationen führen und sollte bei Verdacht unbedingt durch einen Facharzt abgeklärt werden.


Extrauteringravidität
 © Andrea Piacquadio / Pexels - Extrauteringravidität - Einnistung außerhalb der Gebärmutter