Das Eltern Blogazin
"Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben:
die Sterne der Nacht,
die Blumen des Tages
und die Augen der Kinder."
Dante Alighieri
Wer das erste Kind erwartet, betritt Neuland. Werdende Eltern müssen sich mit allerhand Dingen befassen, die zuvor kein Bestandteil ihres Alltags waren. Das fängt bei der richtigen Ernährung in der Schwangerschaft an und reicht über den Elterngeldantrag bis hin zur Beikosteinführung und noch viel weiter.
Ist das Baby dann da, bedeutet das für die meisten Neu-Eltern eine gefühlte 180°-Wende, denn viele Lebensbereiche verändern sich gravierend: der Berufsalltag, das Thema Freizeit, Reisen, Freundschaften. Die Schlafgewohnheiten. Alles scheint zunächst irgendwie auf den Kopf gestellt, fühlt sich anderes an als zuvor. Vielleicht auch etwas unfreier. Dafür gibt es im Gegenzug unzählige emotionale Momente, Glückshormone, Vater- und Muttergefühle, Babys erstes Lächeln und eine unvergessliche Zeit.
Beim zweiten Kind läuft vieles routinierter ab. Die Eltern wissen bereits, was auf sie zukommt. Der Wickeltisch, die Babyschale und alles, was sonst so benötigt wird, steht auch noch parat. Aber es gibt auch neuartige Herausforderungen zu meistern. Eine davon ist die Betreuung der älteren Geschwisterkinder während der Geburt und während des Krankenhausaufenthaltes. Sie muss rechtzeitig organisiert werden.
Neben der eigenen Kliniktasche macht es deshalb Sinn, auch frühzeitig die wichtigsten Dinge für das Geschwisterkind vorzubereiten. Was benötigt wird, hängt vom Alter des Kindes, der Unterbringung und nicht zuletzt von den persönlichen Bedürfnissen ab. In jedem Fall sollten aber auch einige vertraute und persönliche Dinge (wie das Lieblingsstofftier, Spielzeug oder Bücher) mitgepackt werden, wenn das Kind nicht zu Hause betreut wird.
Mit Ausnahme eines geplanten Kaiserschnitts lassen sich Termin und Dauer der Geburt und damit auch die Betreuung des Geschwisterkinds nicht planen. Die Wehen können genauso tagsüber, inmitten der Arbeitswoche, einsetzen - wie auch mitten in der Nacht. Die mit der Betreuung beauftragte Person sollte deshalb ausnahmslos zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar sein. Flexibilität, Erreichbarkeit und Verlässlichkeit sind hierbei das A und O.
Es kann auch ein Wechsel in der Betreuung eingeplant werden, für den Fall, dass es länger dauern sollte. Tagsüber können z. B. die Großeltern die Betreuung übernehmen und abends die Schwester oder beste Freundin. Die Übergabe sollte vorab besprochen werden und die Telefonnummern sollten untereinander ausgetauscht werden.
Ganz egal, ob die Betreuung zu Hause, bei Verwandten oder Freunden stattfinden soll: Wichtig ist, dass sich dein Kind wohlfühlt. Wenn Kinder bereits verstehen, dass ein Geschwisterchen zur Welt kommt, ist die Situation ohnehin schon aufregend genug. Die Betreuung sollte deshalb am besten durch eine Bezugsperson oder zumindest durch eine nahestehende Person, in vertrautem Umfeld erfolgen.
Zwar ist beim zweiten oder dritten Kind nicht mehr alles ganz neu und man hat nun eine Idee, was "Kinder kriegen" bedeutet. Doch eines steht fest: Mit jedem neuen Familienmitglied definiert sich die Familie von Neuem, lernt sich neu kennen und wächst an den Herausforderungen.
Die Elternrolle ist eine Rolle, die man nur begrenzt in der Theorie erlernen kann. Man wächst mit der Zeit hinein. Ebenso brauchen Geschwister ihre Zeit, um in die Rolle eines großen Bruders oder einer großen Schwester hineinzuwachsen. Die meisten Eltern, die diese Erfahrung bereits machen durften, können bestätigen, dass der beste Crash-Kurs für das Eltern-Sein schlicht und einfach der Alltag ist.
Das Erstgeborene ist nicht mehr die unbestrittene Nummer eins. Da spielen nicht selten Eifersucht und Verlustängste eine Rolle. Viele dieser Ängste drehen sich um den Verlust der ungeteilten Aufmerksamkeit von Papa und Mama. Je geringer der Altersabstand zwischen Geschwistern ist, umso schwieriger ist es für die Erstgeborenen, damit umzugehen. Psychologen sprechen vom "Entthronungstrauma".
Verlustängste und Konkurrenzgefühle unter Geschwistern sind bis zu einem gewissen Rahmen ganz menschlich und normal. Diese Gefühle dürfen existieren und es wäre falsch, sie zu verurteilen oder gar zu unterdrücken. Wichtig ist, wie wir diesen Gefühlen begegnen und wie wir sie in ein positives Gefühl umwandeln können. Sprich mit deinem Kind offen darüber und ermutige es, seine Gefühle auszudrücken. Altersgerechte Bücher können hierbei eine gute Stütze sein.
Bereits für Kleinkinder ab ca. 24 Monate gibt es tolle Erklärbücher zu diesem Thema. Über altersgerechte Geschichten und Bilder lassen sich viele Botschaften einfacher vermitteln und die Kinder können das Thema "Geschwisterchen" zunächst ganz unbefangen aus der Beobachter-Perspektive erfahren.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, das ältere Geschwisterkind von Anfang an aktiv mit einzubeziehen. Das kann auf zwanglose und ganz pragmatische Weise erfolgen, auch schon vor der Geburt. Ältere Geschwister können beispielsweise beim Aussuchen von Babykleidung oder beim Einrichten des Babyzimmers helfen. Ist das Baby da, können die Großen - je nach Alter - bei der Körperpflege, beim Füttern oder anderen Abläufen mithelfen oder zusehen. Aktives Mitmachen und Kümmern fördert nicht nur das Selbstvertrauen der Kinder, sondern es entwickelt sich darüber ein Gefühl der Verantwortung und Fürsorge.
Neugeborene Babys sind hilflos und schutzbedürftig. Sie bekommen von Haus aus viel Aufmerksamkeit. Gerade in der ersten Zeit sollte deshalb auch ein Augenmerk darauf gerichtet werden, dem älteren Kind exklusive Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Zum Beispiel über eine regelmäßige gemeinsame Spielstunde, wenn das Baby gerade schläft. Das Thema "Aufmerksamkeit" schließt übrigens auch Situationen ein, in denen Angehörige dem Baby Geschenke machen. Es sollte dann auch immer eine Kleinigkeit für das ältere Geschwisterkind dabei sein.
Ein besonderer Punkt ist auch der Körperkontakt. Durch Bonding, Tragen und Stillen erhält das Neugeborene in den ersten Lebenswochen sehr viel Körperkontakt, speziell zur Mutter. Das bekommen Geschwisterkinder unweigerlich mit. Deshalb sollte es auch exklusive Kuscheleinheiten für das Geschwisterkind geben. Häufig wird während dieser Zeit auch die Bindung zum Vater verstärkt, da dieser sich nun mehr um das Erstgeborene kümmert, während die Mutter sich um das Baby kümmern muss. Daraus ergibt sich eine perfekte Gelegenheit zur Intensivierung der Vater-Kind-Bindung.
Zusammenfassend können wir folgende Tipps festhalten, die bei der Vorbereitung noch kleiner Kinder auf ein Geschwisterchen behilflich sein können:
Die Kleinkindpädagogin und Bloggerin Susanne Mierau schildert im folgenden Blog-Beitrag ihre ganz persönliche Erfahrung:Geburtsvorbereitung für Geschwisterkinder (Geborgen Wachsen). Sie widmet sich der Frage, wie Eltern größere und kleinere Geschwisterkinder altersgerecht auf den Familienzuwachs vorbereiten können.