Schwanger in Zeiten von Corona: Fragen & Antworten


Von Windelprinz Redaktion -

Schwanger in Zeiten von Corona
 © Thor_Deichmann / Pixabay - COVID19: Was müssen Schwangere in dieser Zeit beachten?

Die Corona-Pandemie ist eine außergewöhnliche und schwere Zeit für viele von uns. Auch eine Schwangerschaft und Geburt während der Corona Krise wirft viele Fragen auf. Viele werdende Mütter haben Bedenken, fürchten sich vor einer möglichen Infektion. Die Sorgen sind berechtigt, aber zum Glück meist unbegründet. Mit sinnvollen Maßnahmen kann das Risiko minimiert werden.

Das Coronavirus beschäftigt uns nun schon viele Monate. Die Infektionskrankheit ist ein weltweites Problem, schürt Ängste und Sorgen. Zum aktuellen Zeitpunkt (Stand: 20. Juli 2021) sind die Infektionszahlen in Deutschland gestützt durch den langen Lockdown, Hygienekonzepte, Teststrategien und den steigenden Anteil an Geimpften und Genesenen vergleichsweise niedrig. Die deutschlandweite Inzidenz liegt derzeit bei ca. 11 und steigt aktuell wieder leicht an.

Zuletzt kehrte bereits in vielen Bereichen die ersehnte Normalität wieder zurück. Schritt für Schritt fanden Öffnungen statt und brachten ein Stück vom gewohnten Alltag zurück ins Leben. Die meisten Menschen sind dem Thema Corona mittlerweile längst überdrüssig. - Doch ist gerade das ein Grund zur Vorsicht?



Wie gefährdet sind Schwangere während der Corona Krise?

Aktuell brauchst du keine großen Befürchtungen haben. International gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass Schwangere durch SARS-CoV-2 gefährdeter sind als der Rest der gesunden Bevölkerung. Berichten zufolge treten Infektionen überwiegend im letzten Drittel der Schwangerschaft auf. Die meisten werdenden Mütter haben jedoch nur leichte bis mittelschwere Symptome. Die Infektion gleicht in diesem Fall einer Erkältung oder einer Grippe. Symptome können unter anderem Husten und Fieber sein.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Sofern Schwangere bereits über 35 Jahre alt sind, an einer Bluthochdruckerkrankung, an Übergewicht leiden oder bereits vor der Schwangerschaft an Diabetes erkrankt waren, besteht ein erhöhtes Risiko für einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf. Allerdings sei auch zu erwähnen, dass durch das Coronavirus kein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko bei Schwangeren vorliegt.


Wirkt sich eine Coronavirus-Infektion auf das ungeborene Kind aus?

Die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse legen nahe, dass eine COVID-19-Erkrankung bei Schwangeren in diesem Zusammenhang eine ernsthafte Gefahr für Mutter und Kind darstellen kann. Diese Aussage stützt sich auf die deutlich erhöhte Häufigkeit einer intensivmedizinische Betreuung und insbesondere einer Beatmung bei Schwangeren im Vergleich zu Nicht-Schwangeren.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es zwar keinerlei Hinweise auf ein erhöhtes Fehlgeburtenrisiko im Fall einer COVID-19-Erkrankung während der Schwangerschaft. Ebenso gilt eine intrauterine Übertragung des Virus auf das ungeborene Kind derzeit als unwahrscheinlich.

Wohl aber kann eine akute COVID-19-Erkrankung während der Schwangerschaft dazu führen, dass die Plazenta nicht ausreichend versorgt wird. Infolgedessen sind Wachstumseinschränkungen beim Kind denkbar.

Im Fall einer Erkrankung an Corona empfehlen Ärzte Schwangeren regelmäßige, mindestens 2- bis 4-wöchentliche Kontrolluntersuchungen. Auch wird eine sonographische Feindiagnostik empfohlen. Berichten zufolge gibt es ein erhöhtes Frühgeburtenrisiko unter COVID-19-Erkrankten. Jedoch betrifft dies überwiegend eingeleitete Frühgeburten. Die Rate spontaner Frühgeburten hat sich bis jetzt nicht erhöht.


Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko während und nach der Geburt?

Die momentane Datelage zum Risiko einer Übertragung von der Mutter das Baby ist noch sehr spärlich. Eine aktuelle französische Studie untersuchte dieses Thema und kam zu dem Schluss, dass eine perinatale Übertragung von SARS-CoV-2 zwar durchaus vorkommen kann, jedoch eher selten ist. 179 Neugeborene, deren Mütter bei der Geburt an Corona erkrankt waren, wurden auf SARS-CoV2 getestet. Darunter wurde in 8 Fällen eine Übertragung vermutet.

Sofern du während der Geburt an COVID-19 erkrankt bist, findet unmittelbar nach der Geburt ein Corona-Test bei deinem Kind statt.


Wie können Schwangere eine Corona Infektion verhindern?

Zum aktuellen Zeitpunkt sprechen sich bereits mehrere medizinische Fachverbände für eine priorisierte COVID-19-Impfung bei Schwangeren aus. Lies dazu bitte den nächsten Abschnitt: COVID-19-Impfung für Schwangere.

Darüber hinaus gelten während der Schwangerschaft die allgemeinen Sicherheitshinweise, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus möglichst zu vermeiden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang das regelmäßige und effektive Waschen der Hände, Generell solltest du dem Kontakt zu Personen entgehen, die allgemeine Symptome einer Erkältung oder sogar Fieber haben. Achte zudem auf die Bestimmungen zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Für einen effektiven Schutz empfehlen sich FFP2 oder FFP3 Masken*, die du nicht nur in Supermärkten oder im Kontakt mit anderen Menschen, sondern auch auf der Straße tragen kannst. Des Weiteren solltest du gerade in dieser Zeit auf Reisen während der Schwangerschaft in andere Regionen verzichten und den Kontakt zu Reiserückkehrern vermeiden.


Gibt es eine COVID-19-Impfung für Schwangere?

Die Impfung von Frauen mit Kinderwunsch wird bereits seit einiger Zeit empfohlen. Mittlerweile sprechen sich 11 medizinische Fachverbände für eine priorisierte COVID-19-Impfung bei Schwangeren und stillenden Frauen mit einem mRNA-Impfstoff aus. Dies geht aus einem Update der Pressemitteilungen (Stand: Mai 2021) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. (BVF) hervor.

Es existieren bislang keinerlei Hinweise, dass COVID-19-Impfungen zu vermehrten Komplikationen, wie Fehlbildungen, Frühgeburt oder Wachstumseinschränkungen beim Säugling führen. Langzeitstudien gibt es in diesem Bereich jedoch noch nicht.

Im Rahmen einer aktuellen Studie an der University of California San Francisco wurden 13 Muttermilchproben untersucht. Sieben der Probandinnen wurden mRNA-Impfstoff geimpft. Ihre Milchproben wurden einmal kurz vor der Impfung, sowie 4 bis 48 Stunden nach der Impfung entnommen. In keiner der Proben konnte mRNA nachgewiesen werden.


Infektionsrisiko reduzieren
 © sippakorn / Pixabay - COVID19: Wie können Schwangere sich schützen?

Welche Maßnahmen werden bei SARS-CoV-2 positiv getesteten Schwangeren ergriffen?

Solltest du während deiner Schwangerschaft positiv auf Corona getestet werden, empfiehlt es sich direkt telefonischen Kontakt zu deiner behandelnden Frauenärztin/deinem behandelnden Frauenarzt aufzunehmen und die Diagnose zu übermitteln. Sofern du keine schwerwiegenden Symptome hast und nicht zu den Risikopatienten zählst, kannst du dich in der Regel problemlos zu Hause, unter Betreuung deines behandelnden Arztes, erholen.

Leidest du jedoch an schweren Symptomen oder besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen, ist unter Umständen ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll. Wichtig ist, dass die Mutterschaftsvorsorge in jedem Fall aufrechtgehalten wird. Hierfür kannst du die notwendigen Absprachen mit deinem Arzt, deiner Hebamme oder auch mit deiner ausgewählten Entbindungsklinik treffen. Lass dich in diesem Zusammenhang auch in Bezug auf mögliche Risiken oder Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von thromboembolischer Komplikationen beraten.


Finden im Zuge der Corona-Pandemie Geburtsvorbereitungskurse statt?

Während eines Lockdowns und in Zeiten hoher Inzidenzen sollen und müssen unnötige soziale Kontakte vermieden werden. Dies hatte zuletzt verschiedene Folgen. Unter anderem liessen sich Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse nicht wie gewohnt umsetzen. Hebammen und Einrichtungen, die entsprechende Kurse anbieten, gingen in den vergangenen Monaten dazu über, Online-Kurse anzubieten. Mittlerweile finden mancherorts wieder Präsenzangebote statt.


Finden Kreißsaalführungen & Termine zur Geburtsplanung trotz Corona statt?

Während eines Lockdowns und in Zeiten mit hoher Inzidenz sind vor allem die Kreißsaalführungen schwer realisierbar. Die notwendigen Hygienemaßnahmen lassen sich nur bedingt bis gar nicht umsetzen. Einige Kliniken sind deshalb dazu über gegangen, virtuelle Kreißsaalführungen - via Livestream - anzubieten.

Bezüglich der Geburtsplanung und der damit verbundenen Termine ist ratsam, vorab in der ausgewählten Klinik anzurufen. Da die Kliniken unterschiedliche Vorgehensweisen haben, solltest du mit deiner Entbindungsklinik alle weiteren Details absprechen.


Ist eine Hebammenbetreuung während der Schwangerschaft und im Wochenbett möglich?

Trotz der Corona-Pandemie findet die Hebammenbetreuung sowohl in der Schwangerschaft wie auch im Wochenbett uneingeschränkt statt. Lediglich Kurse, bei denen mehrere Teilnehmer gleichzeitig anwesend sind, werden in Abhängigkeit von der Inzidenz angeboten. Einige Angebote erfolgen online. Am besten suchst du dir rechtzeitig, d.h. zu Beginn der Schwangerschaft eine persönliche Hebamme (z.B. im Internet über die Landesverbände der Hebammen, die Hebammenliste des GVK Spitzenverbandes oder telefonisch über örtliche Hebammenpraxen in deiner Nähe). Deine Hebamme wird dich über alle erforderlichen Vorkehrungen informieren.


Entbindung und Krankenhausaufenthalt - worauf ist während Corona-Krise zu achten?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt darf eine Begleitperson während der Geburt anwesend sein. Du kannst zum Beispiel deinen Partner oder auch deine Mutter, Freundin oder eine andere Vertrauensperson mitnehmen. Unter der Geburt darf diese Begleitperson jedoch nicht wechseln und ist aufgefordert, eine medizinische Schutzmaske oder FFP-2-Maske* zu tragen. Der Mund-Nasen-Schutz muss unter Umständen auch von dir getragen werden.

Während des gesamten Geburtsvorgangs darf die Begleitperson weder die Station noch den Kreißsaal verlassen. In manchen Kliniken besteht nun wieder die Möglichkeit der Mitaufnahme deiner Begleitung in einem Familienzimmer. Dieses Angebot musste während der letzten Monate weitgehend ruhen. Selbstredend muss der Begleiter gesund sein.

Was den Besuch anbelangt, galt in den meisten Kliniken während der letzten Monate ein striktes Besuchsverbot bzw. stark eingeschränkte Besuchsmöglichkeiten, die sich in Wochenbettstationen zuletzt auf den Besuch einer Kontaktperson beschränkte. Aktuell gibt es in den meisten Häuser wieder die Möglichkeit Besuch zu empfangen, i.d.R. haben die Häuser dafür eigene Besuchsegeln, über die man sich informieren sollte.


Kann ich trotz Corona stillen?

Unabhängig davon, ob du nachweislich an Corona erkrankt bist oder nicht, gilt die allgemeine Empfehlung, dein Baby zu stillen. Es wird sogar ausdrücklich empfohlen. Dabei solltest du unbedingt auf die verschiedenen Hygieneregeln achten. Vor dem Stillen musst du dir gründlich die Hände waschen.

Sofern du Corona-Positiv bist, empfiehlt sich während des Stillens ein Mund-Nasen-Schutz. So kannst du die Übertragung des Virus durch eine Tröpfcheninfektion verhindern. Auch in Bezug auf den weiteren Hautkontakt oder enges Kuscheln mit deinem Liebling gibt es keinerlei Einwände, sofern du dich an die notwendigen Hygienebestimmungen hältst.

Hinweis: Bislang fehlen ausreichend Informationen darüber, ob eine SARS-CoV-2 Infektion über die Muttermilch übertragen wird. Zum derzeitigen Zeitpunkt sind nur wenige Einzelfälle bekannt, in denen das Virus in der Muttermilch nachgewiesen wurde und das Baby an einer Infektion erkrankte.


Schwanger in Zeiten von Corona
 © Thor_Deichmann / Pixabay - COVID19: Was müssen Schwangere in dieser Zeit beachten?

Quellen:


  1. https://www.uniklinikum-jena.de/geburtsmedizin/Corona-faq-2968.html#faq_2968
  2. https://www.dggg.de/news/covid-19-kreisssaalempfehlungen-der-dggg-faq-fuer-schwangere-und-weitere-informationen-1192/
  3. https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/informationen-zum-coronavirus-sars-cov-2/
  4. https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/aue/klinik-karriere/gemeinsam-gegen-corona/geburt-und-corona/
  5. https://www.infektionsschutz.de/hygienetipps/
  6. https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/mrna-aus-corona-impfstoffen-nicht-in-muttermilch-nachweisbar/