Schwangerschaft: So gefährlich sind Listerien


Von Windelprinz Redaktion -

In der Schwangerschaft lauern für die Frauen und den Fötus viele Risiken, die den Verlauf komplizieren können. Dazu zählen auch Listerien, denn eine Infektion mit diesen Bakterien kann schwerwiegende Folgen haben. Die gute Nachricht: Mit einigen Regeln und dem Verzicht auf bestimmte Lebensmittel kann die Gefahr einer Listeriose minimiert werden.


Listerien
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Schwangerschaft: So gefährlich sind Listerien


Im nachfolgenden Beitrag erfährst du, was Listerien sind, welche Folgen sie insbesondere in der Schwangerschaft haben können und wie du dich und dein Baby mit einfachen Regeln vor einer Infektion schützen kannst.

Bitte beachte: Dieser Artikel dient der Information. Er ersetzt jedoch keine individuelle Beratung oder Untersuchung durch deinen Arzt.


Was sind Listerien?

Listerien sind Bakterien der Gattung Listeria, die überall vorkommen können. Sie ernähren sich vor allem abgestorbenem organischem Material. Sie machen keinen Unterschied, ob dieses Material pflanzlichen oder tierischen Ursprungs ist. Die Bakterien können sich durch ihre allgegenwärtige Präsenz schnell auf Lebensmitteln ausbreiten. Ein geringer Prozentsatz der Menschen und der Tiere trägt sogar diese Bakterien in ihrem Magen-Darm-Trakt, wo sie sich von dem organischen Material, dass über die Nahrung aufgenommen wird, ernähren. Betroffene Menschen und Tiere können die Bakterien sogar über den Stuhl ausscheiden.

Die Bakterien vertragen problemlos tiefe Temperaturen und werden auf Lebensmitteln auch wieder aktiv, wenn diese aus dem Froster kommen. In der Regel wird das Immunsystem eines erwachsenen Menschen mit dieser Belastung ohne Probleme fertig. Kommt es auf Lebensmitteln zu einer erhöhten Konzentration, können die Bakterien nicht mehr vom Köper bekämpft werden und es kommt zu einer Infektion.

Während die Bakterien tiefe Temperaturen gut vertragen, sieht es bei heißen Temperaturen ganz anders aus. Am besten entwickeln sie sich bei einer Temperatur zwischen 30 - 37°C. Bis 45°C stellt eine Erwärmung für sie kein Problem dar. Erst darüber hinaus werden die Bakterien abgetötet und sind nicht mehr schädlich.

Wie kann man sich mit Listerien anstecken?

In der Schwangerschaft können sich Frauen vorwiegend über Lebensmittel infizieren, die vorwiegend tierischen Ursprungs sind und die während der Herstellung oder längere Zeit danach nicht erhitzt wurden. Dazu gehören folgende Lebensmittel: - rohes Fleisch und Fisch - Rohwurst - Rohmilchprodukte - Käse (vorwiegend Weichkäse und Käserinde) - aufgeschnittene Wurst - Pasteten - Räucherfisch

Untersuchungen haben gezeigt, dass Rohwurst wie Salami bis zu 80% mit Listerien besiedelt sein kann. Bei Weichkäse ist es immerhin noch eine Quote von 10%, die jedoch für Schwangere ebenfalls schon eine problematische Belastung darstellt. Ein Risiko stellen auch Fertigprodukte dar, die vor dem Essen nicht mehr erhitzt wurden. Dazu zählen unter anderem fertige Salate, die im Supermarkt gekauft werden können oder auch Eiscreme.


Listerien
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Durch den Umstand, dass Listerien auch tiefe Temperaturen vertragen, können sie sich auch auf Lebensmitteln, die im Kühlschrank gelagert werden, rasch entwickeln. Sicherheit gibt einzig das vollständige Erhitzen von Lebensmitteln. Etwas geringer ist das Risiko auf pflanzlichen Produkten, wenn diese möglichst Frisch verzehrt und nicht lange gelagert werden.

Listerien können nicht nur über Nahrungsmittel übertragen werden, sondern beispielsweise auch durch infizierte Haustiere oder belastete Erde. Problematisch in der Schwangerschaft ist, dass die Infektion über die Gebärmutter auch auf den Fötus übertragbar ist.

Wie erkennt man eine Listeriose?

Pro Jahr erkranken mehrere Hundert Menschen merklich an einer Listeriose. 2018 wurden in Deutschland knapp 700 Infektionen gemeldet. Die Zahl an Infektionen dürfte jedoch deutlich höher sein, denn oft merken die Betroffenen nicht, dass es sich um eine bakterielle Infektion handelt oder der Verlauf ist so mild, dass eine andere Krankheit vermutet wird und die Patienten nicht einmal den Arzt aufsuchen.

Tückisch: Oftmals bemerken die Betroffenen nicht, dass sie an einer Listeriose erkrankt sind oder sie vermuten eine andere Erkrankung hinter den Symptomen.


Inkubationszeit und Verlauf


Nach einer Infektion mit Listerien in einer gesundheitsbedenklichen Konzentration vergehen zwischen drei und 70 Tage, bis sich die Symptome zeigen. Selbst bei einer Listeriose merken die meisten betroffenen nicht, dass sie eine Infektion haben, da die Symptome ähnlich einer leichten Grippe sind. Dennoch ist ein schwerer Verlauf nicht zu unterschätzen, denn durchschnittlich sterben zehn Patienten pro Jahr an einer solchen Infektion.

Daher ist bei einem länger anhaltenden Krankheitsgefühl, das über eine Woche andauert, in jedem Fall der Arzt aufzusuchen. Zudem können auf weitere Symptome, wie Durchfall oder Erbrechen geachtet werden. Typisch für die Infektion ist auch Fieber und schmerzende Glieder, weshalb die Symptome eher einer Grippe zugeschrieben werden.

Kommt es zu einem schweren Krankheitsverlauf, kann eine Blutvergiftung die Folge sein. Diese führt in der Regel zum Tod, wenn der Patient nicht bzw. nicht rechtzeitig behandelt wird. Dramatisch können die Auswirkungen auch sein, wenn die Infektion auf das Gehirn übergreift. Die Folgen können eine Gehirnentzündung oder eine Hirnhautentzündung sein, von der die Patienten oft bleibende Schäden davon tragen, wenn sie die Erkrankung überleben.

Listeriose in der Schwangerschaft

Während Listerien gesunden Menschen nicht schaden, gibt es einige Gruppen, die damit nicht gut zurechtkommen. Dazu gehören Menschen, deren Immunsystem angeschlagen ist und Schwangere bzw. ist eher der Fötus in Gefahr, da die Listerien übertragbar sind und das ungeborene Kind noch keine entsprechenden Abwehrkräfte hat.

Die Symptome einer Listeriose sind ähnlich wie bei Patienten, die nicht schwanger sind. Zusätzlich kann bei Schwangeren noch eine Blasenentzündung auftreten. Ein mögliches Symptom sind auch vorzeitige Wehen, die keinesfalls unbeachtet bleiben dürfen.


Listeriose in der Schwangerschaft
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Folgen für das ungeborene Kind


Erkrankt die Mutter an Listerien, werden diese in der Regel mit Antibiotika behandelt. Aber selbst wenn die Mutter die Infektion gut überstanden hat, muss dies nicht für den Fötus gelten. Eine Infektion kann zu einer Früh- oder Fehlgeburt führen, vor allem, wenn sie unbehandelt bleibt.

Die Spätfolgen einer Infektion in der Gebärmutter zeigen sich manchmal direkt nach der Geburt. Die neugeborenen Kinder sind meist ein einem schlechten Zustand. Sie wirken benommen und leiden an Atemnot. Es kann zu erbrechen oder Krämpfen kommen. Zudem können die Kinder bereits mit Geschwüren an der Haut bzw. den Schleimhäuten auf die Welt kommen.

Neugeborene sind deutlich anfälliger für schwere Erkrankungen und können kurz nach der Geburt bereits an Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung erkranken. Die Todesrate von Babys nach der Geburt, deren Mutter an einer Listeriose litt, ist sehr hoch. Viele sterben bereits nach wenigen Stunden nach der Geburt, und wenn die Babys überleben, dann ist ihre Entwicklung häufig gestört. Häufig treten geistige Entwicklungsstörungen auf. Jedoch wirken sich auch unmittelbare Erkrankungen nach der Geburt wie eine Lungenentzündung auf die körperliche Entwicklung der Babys aus.


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So kannst du einer Listeriose in der Schwangerschaft vorbeugen

Viele Frauen vergessen in der Schwangerschaft, dass was für sie gut ist und ihnen schmeckt, nicht zwingend gut für das Baby sein muss. Vieles wird auf das Ungeborene übertragen und der Fötus ist diesen Einflüssen schutzlos ausgeliefert. Da die Bakterien praktisch überall sein können, können auch überall Gefahren lauern.

Die richtigen Lebensmittel


Zum Problem werden Listerien wiederum nur, wenn sie sich beispielsweise in einer großen Konzentration im Essen finden. Ein besonders großes Problem für Schwangere ist ungewaschener Salat. Die Salate werden oft mit tierischen Fäkalien gedüngt, die ebenfalls eine hohe Belastung mit Listerien aufweisen können. Landet fertiger geschnittener Salat ungewaschen auf dem Teller ist das Risiko hoch, eine Infektion zu bekommen.


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Für Frauen in der Schwangerschaft gilt daher, dass sämtliches Obst und Gemüse vor dem Verzehr gewaschen werden muss. Wenn es das Obst bzw. Gemüse zulässt, kann es auch mit Wasser mit einer Temperatur über 60°C kurz abgewaschen werden.

Die richtige Zubereitung


Grundsätzlich sollte auf rohe Produkte soweit wie möglich verzichtet werden. Fleisch und Fisch sollten ebenfalls vor dem Verzehr mindestens auf 60°C erhitzt worden sein. Beim Kochen bzw. Braten werden aber mühelos höhere Temperaturen erreicht. Sushi sollte allerdings in der Schwangerschaft tabu sein. Zudem sollten Frauen auf weitere Lebensmittel, wie Rohmilch- und Weichkäsesorten verzichten, die besonders anfällig für Listerien sind.

Neben dem Weglassen bestimmter Lebensmittel bzw. der richtigen Zubereitung ist Hygiene in der Küche oberstes Gebot. Gemüse und Fleisch sollten im rohen Zustand nicht mit den gleichen Küchenutensilien in Kontakt kommen. Die Küchenutensilien sollten nach dem Gebrauch immer heiß und mit Spülmittel gereinigt werden.


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Die richtige Aufbewahrung


Eine Listeriose entsteht manchmal durch unbewusstes Verhalten. Die Menschen sind es gewohnt, dass sie ihre Lebensmittel mehrere Tage oder sogar Wochen im Kühlschrank lagern können, ohne, dass sie verderben. Doch der Verderb hat vielfach schon begonnen und die Listerien können sich während einer langen Lagerzeit problemlos vermehren, obwohl optisch noch kein Verderb feststellbar ist. Daher sollten Schwangere Lebensmittel nie lange im Kühlschrank lagern. Dies gilt auch für abgepackte Lebensmittel. Angebrochene Lebensmittel, die später gegessen werden, können ebenfalls eine Listeriose auslösen. Es ist völlig normal angebrochene Mayonnaise nach längerer Zeit wieder zu öffnen und zu essen. Schwangere sollten dies vermeiden und lieber kleiner Einheiten kaufen, die sie rasch verbrauchen können. Dies gilt auch für andere angebrochene Gläser, Tuben oder Dosen mit Lebensmitteln.

Die Hygiene beschränkt sich nicht nur auf die Küchenutensilien, sondern sollte auf alle Bereiche ausgeweitet werden, wo Lebensmittel verarbeitet oder gelagert werden. Daher sollte auch der Kühlschrank regelmäßig geputzt werden. Denn dort herrscht nicht selten eine sehr große Konzentration an Listerien.


Kühlschrankhygiene
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