Hat mein Kind das Asperger-Syndrom?


Von Windelprinz Redaktion -

Asperger-Syndrom
 © ambermb / Pixabay - Hat mein Kind das Asperger-Syndrom?

Die Ursachen für das Asperger-Syndrom sind bis heute noch weitgehend unbekannt.


"Irgendwie anders..." - so werden Kinder mit dem Asperger-Syndrom häufig von ihren Mitmenschen wahrgenommen. Eine Diagnose erfolgt jedoch oft erst im Schulalter und manchmal auch erst Jahre später.

Das Asperger-Syndrom gilt als leichte Form des Autismus und tritt meist ab dem vierten Lebensjahr auf, wird aber aufgrund der Schwierigkeiten bei der Diagnostik häufig deutlich später diagnostiziert. Je nach Ausprägung kann es sogar vorkommen, dass die Störung bei vielen Betroffenen gar nicht diagnostiziert wird oder aufgrund ähnelnder Symptomatiken mit anderen Krankheiten verwechselt wird.

Der nachfolgende Beitrag soll helfen, Asperger besser zu verstehen.

Bitte beachte: Dieser Artikel dient der Information. Er ersetzt jedoch keine individuelle Beratung oder Untersuchung durch den Kinderarzt.


Asperger - Was ist das?

Das Asperger-Syndrom ist eine Variante der Autismus-Spektrum-Störungen, im Sprachgebrauch meist nur als "Autismus" bezeichnet. Wie der Autismus gehört das Asperger-Syndrom zum Feld der Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung, die im Gegensatz zu anderen Ausprägungen der Autismus-Spektrum-Störungen keine Intelligenzminderung zur Folge hat.


Asperger-Symptome
 © Pezibear / Pixabay - Asperger: Was ist das?

Die auffälligsten Merkmale des Asperger-Autismus sind:


1.) Beeinträchtigungen in den Bereichen


  • der sozialen Interaktion
  • Kommunikation
  • Reizverarbeitung und -filterung
  • Motorik und Koordination

Neben diesen Schwächen bringt das Asperger-Syndrom gleichzeitig auch eine Reihe von außergewöhnlichen Begabungen mit sich:


2.) Stärken


  • Das Syndrom tritt häufig gemeinsam mit einer Hochbegabung oder Inselbegabung (auch bekannt als "Savant-Syndrom") auf
  • erhöhte Aufmerksamkeit
  • außergewöhnliche Gedächtnisleistungen
  • Betroffene sind sehr detailorientiert, können aber nicht Wichtiges von Unwichtigem differenzieren

Nicht bei allen Betroffenen treten die genannten Stärken und Schwächen in gleichem Maße auf. Auch muss nicht jede Stärke und Schwäche auf jeden Betroffenen zutreffen. Entsprechend kann es zu Schwierigkeiten in der Diagnostik kommen.



Wie erfolgt die Diagnose?

Nach neuesten Erkenntnissen wird davon ausgegangen, dass es sich beim Asperger-Syndrom um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung handelt, die nun mehr im "Spektrum autistischer Störungen" erfasst wird. Bislang wurde das Asperger-Syndrom als Autismus-Subtyp betrachtet.

In der aktuellen Überarbeitung der geläufigen psychiatrischen und medizinischen Klassifikationssysteme DSM-5 und ICD-11 wurden die Autismus-Subtypen unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zusammengefasst. Als Begründung wird genannt, dass es sich um sehr milde bis schwere Verlaufsformen einer in der Kindheit beginnenden Entwicklungsstörung handle, deren Übergang jedoch fließend sei. Eine eindeutige Abgrenzung in verschiedene Einzelkategorien sei deshalb nicht sinnvoll.

In jedem Fall sollte bei Auffälligkeiten des Kindes ein Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgesucht werden. Zur Diagnostik werden zunächst ausführliche Gespräche mit Eltern, Angehörigen und dem Kind geführt. Auch die Beobachtungen von Lehrern und anderen bereits aufgesuchten Therapeuten und Ärzten werden zur Diagnosestellung hinzugezogen. Anschließend folgt eine körperliche, neurologische und psychiatrische Untersuchung.

Die Untersuchungen orientieren sich beispielsweise an der "Australian Scale for Asperger's Syndrome" (ASAS), bei der es sich um einen Fragebogen handelt, der speziell für Grundschulkinder entwickelt wurde. Die "Autism Diagnostic Observation Schedule" (ADOS) hingegen ist ein Test, in welcher das Kind verschiedenen sozialen Situationen ausgesetzt wird. Die entsprechenden Reaktionen sollen Aufschluss darüber geben, ob das Kind zur sozialen Interaktion in der Lage ist.

Eltern sollten mit ihren Kindern möglichst frühzeitig einen Arzt aufsuchen, eine Diagnose kann bereits vor dem Eintritt in die Schule gestellt werden.


Vorkommen und Ursachen von Asperger

Wie häufig das Asperger-Syndrom in der Gesellschaft auftritt, kann nicht genau beziffert werden. Ursächlich sind die unterschiedlichen Diagnosekriterien sowie eine unbekannte Dunkelziffer bei nicht diagnostizierten sowie falsch diagnostizierten Erkrankungen. Laut dem Bundesverband autismus Deutschland e.V. liegt die Häufigkeit von Asperger-Autismus zwischen 0,1 und 0,3 Prozent.

Deutlich häufig betroffener sind Jungen, was auf eine biologische Komponente bei der Ursache der Erkrankung hinweist. Als zusätzliche Risikofaktoren werden ein höheres Alter der Elternteile genannt, auch genetische Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Gleiches gilt für starke Frühgeburten, Schwangerschaftsdiabetes, Infektionen während der Schwangerschaft. Zudem stehe einige Medikamente wie Epileptika in dem Verdacht, die Auftretenswahrscheinlichkeit zu erhöhen.



Asperger und Autismus: Der Unterschied

Das Asperger-Syndrom grenzt sich vom Autismus vornehmlich durch ein normales Intelligenzniveau ab. In vielen Fällen verfügen die Betroffenen sogar über eine überdurchschnittliche Intelligenz oder sogenannte Inselbegabungen. Kinder mit dem Syndrom weisen zudem eine normale Sprachentwicklung auf, wobei je nach Ausprägung Auffälligkeiten in den Satzstellungen oder eine Monotonie beim Sprechen vorkommen können.

Deutlich bemerkbarer macht sich das Asperger-Syndrom in anderen Bereichen. Ähnlich wie beim Autismus haben die Betroffenen Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, was beim Asperger-Syndrom allerdings schwächer ausgeprägt ist. Im Gegensatz zum Autismus sind einige Menschen mit dem Syndrom allerdings motorisch ungeschickt, was bisweilen im Alltag als Unbeholfenheit wahrgenommen wird. Aufgrund der schwächer erscheinenden Symptomatik wird das Asperger-Syndrom oft deutlich später als Autismus diagnostiziert oder gar fehldiagnostiziert.

Nicht selten treten weitere Begleiterkrankungen auf. Besonders hoch ist die Komorbidität mit ADHS oder affektiven Störungen wie Depressionen als eine Folge der psychischen Belastungen, die sich durch die erlebten Einschränkungen im privaten und schulischen Bereich ergeben. Vielfach werden neben Depressionen als typische Begleiterkrankungen Angststörungen, Zwangsstörungen und Störungen aus dem hyperkinetischen Bereich, wie beispielsweise die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung, genannt.


Wie verhalten sich Kinder mit Asperger-Syndrom?

Kinder mit dem Asperger-Syndrom verfügen über ein breites Verhaltensspektrum. Die Probleme und besonderen Fähigkeiten der Kinder können sich im Alltag auf vielfältige Weise zeigen, werden in vielen Fällen aber nicht als psychische Störung erkannt.

Deutlich bemerkbar machen sich die Probleme vornehmlich in der sozialen Interaktion, weshalb das Asperger-Syndrom oft erst mit Eintritt in die Schule bemerkt wird. In dieser Lebensphase beginnen Kinder neue soziale Kontakte zu knüpfen, was Kinder mit dem Asperger-Syndrom oft nicht gelingt. Doch bereits vor der Schulzeit nehmen viele Eltern bereits wahr, dass ihr Kind über besondere Eigenschaften verfügt.

Asperger-Verhaltensweisen
 © Greyerbaby / Pixabay - Wie verhalten sich Kinder mit Asperger?

Typisch für Asperger-Kinder sind folgende Verhaltensweisen:


1. Probleme im sozialen Bereichen


Kinder mit dem Asperger-Syndrom ziehen es vor, alleine zu spielen. Daher fällt es ihnen schwer, Freundschaften zu schließen. Sie werden von anderen Kindern oft als "anders" wahrgenommen, was Ausgrenzungen und sogar Mobbing zur Folge haben kann.

Auffälligkeiten zeigen sich zudem in Gestik und Mimik. Die Kinder haben Schwierigkeiten, in der sozialen Interaktion Blickkontakt zu halten. Sie wirken auf viele Menschen gefühlskalt, desinteressiert oder abweisend, weil sie selbst kaum Gestik und Mimik besitzen. Auch dieses typische Anzeichen für das Asperger-Syndrom führt vielfach zur Ausgrenzung des Kindes. Viele Kinder verfügen allerdings über ein intensives Gefühlsleben und leiden unter der Ausgrenzung.

Die Kinder haben oft ein fehlendes Empathievermögen, was sich in Unverständnis über normale soziale Verhaltensweisen äußert. Sie sind zudem unfähig eigene Gefühle auszudrücken und haben Probleme, Zuneigung gegenüber Personen zu zeigen, die sie mögen.

Im Gespräch zeigt sich, dass Kinder mit dem Asperger-Syndrom ihren Alterskameraden von der sozialen Reife und dem sozialen Verständnis rund drei Jahre hinterher hängen. Die Kinder können aufgrund ihrer normalen kognitiven Fähigkeiten zwar die Inhalte des Gesagten verstehen, können die Sprache aber nicht als Mittel der Kommunikation nutzen. Sie sind nicht in der Lage, aus Äußerungen bestimmte Schlussfolgerungen zu ziehen. Sarkastische und ironische Bemerkungen bereiten ihnen ebenfalls Schwierigkeiten und werden als solche nicht verstanden.


2. Besondere Fähigkeiten


Die Kinder haben oft Spezialinteressen oder weisen besondere Fähigkeiten auf einem bestimmten Gebiet auf. Viele Kinder weisen ein erstaunliches logisches Denken auf und haben herausragende mathematische Fähigkeiten. Auch die Gedächtnisleistung und Detailorientierung sind bemerkenswert.


3. Rituale und Routinen


Asperger-Kinder haben ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit. Das macht sich im Alltag darin bemerkbar, dass sie viel Wert auf vorhersehbare Tagesabläufe und Routinen legen. Eltern sollten bei der Strukturierung des Tagesablaufs Rücksicht auf diese Eigenart nehmen.


4. Reizempfindlichkeit


Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Sinneswahrnehmung von Kindern mit einem Asperger-Syndrom identisch mit derer von anderen Menschen ist. Auffälligkeiten bestehen lediglich in der kognitiven Verarbeitung, die dazu führen, dass verschiedene Reize unterschiedlich stark und schwach verarbeitet werden. Viele Kinder zeigen sich ausgesprochen geräuschempfindlich, andere reagieren empfindlich auf Lichtquellen oder Gerüche.


Behandlung und Förderung für Asperger-Kinder

Eine spezielle Therapieform für Asperger-Kinder gibt es nach aktuellem Forschungsstand nicht. Die Störung selbst ist nicht heilbar. Je nach Ausprägung kann ein individuelles Förderprogramm sinnvoll sein, um den Kindern den Alltag zu erleichtern. Vielfach wird eine kognitive Verhaltenstherapie empfohlen, um soziale Fähigkeiten und Kommunikationsformen erlernen und trainieren zu können. Besonders bei Kindern wird auf eine Frühförderung gesetzt.

Treten Probleme im schulischen Bereich auf, sollten sich Eltern beim Kinderarzt über die Möglichkeit einer schulischen Begleitung für ihre Kinder informieren. Viele Kinder profitieren auch von speziellen Freizeitangeboten wie einer Reittherapie oder anderen sportlichen Tätigkeiten.

Für Eltern kann zudem der Besuch in einer Selbsthilfegruppe sinnvoll sein, um sich mit anderen betroffenen Eltern auszutauschen. Im Alltag ist es wichtig, auf die speziellen Bedürfnisse der Kinder einzugehen und diese zu berücksichtigen. Interessen und Talente sollten gefördert werden, um das Selbstbewusstsein zu steigern.


Asperger im Erwachsenenalter

Im Erwachsenenalter machen sich die Probleme im sozialen Bereich am stärksten bemerkbar. Betroffene haben häufig Schwierigkeiten eine Partnerschaft zu beginnen oder über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Augenmerk sollte auf die Berufsfindung gelegt werden, da diese einen großen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit hat. Berufe mit intensiven sozialen Kontakten sind für die meisten Betroffenen nicht ideal.

Vielen Asperger-Persönlichkeiten gelingt es aber auch, ihre Andersartigkeit und ihre Spezialinteressen als Chance wahrzunehmen. Ein prominentes Beispiel ist die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, auch Albert Einstein, Charles Darwin, Steven Spielberg und Bill Gates sind betroffen. Diese Genies sind der Beweis dafür, dass die Diagnose nicht zur sozialen Isolation oder zu einem Leben am Rande der Gesellschaft führen muss. Im Gegenteil haben die Betroffenen nicht selten eine ganz besondere Stellung, da sie aufgrund ihrer Begabungen imstande sind, Leistungen zu erbringen, die anderen Menschen nicht möglich sind.


Asperger-Persönlichkeit als Chance
 © ambermb / Pixabay - Asperger als Chance betrachten

Mehr zum Thema