Milchstau und Mastitis - Hebammentipps


Von Rebecca Teetzen, Hebamme -

Milchstau und Mastitis
 © Petra-foto - Pixabay

Ein Milchstau kann für stillende Mütter schnell zu einem ernsthaften Problem werden. Wird er nicht richtig behandelt, kann sich eine schmerzhafte Mastitis daraus entwickeln. - Gut, wenn man eine Nachsorgehebamme hat, die helfen kann.

Rebecca Teetzen ist als Hebamme in Hamburg tätig und gibt im nachfolgenden Beitrag wichtige Tipps, was du zur Vorbeugung von Milchstau und Mastitis, sowie im aktuen Fall tun kannst.

Hebamme Teetzen


Grund zur Beunruhigung oder eher normal? Erfahre was du unbedingt beachten musst, damit du gut durch die Stillzeit kommst, denn es kann sonst sehr unangenehm werden.

Das Thema Milchstau & Mastitis puerperalis kann man gut in mehrere Phasen unterteilen. Es ist komplex, jedoch nicht kompliziert. Hier erfährst du, wie du schon im letzten Schwangerschaftsdrittel anfangen kannst das Thema proaktiv anzugehen, was du berücksichtigen musst, wenn der Milcheinschuss einsetzt, wie du handelst, wenn du einen Milchstau bekommst und was überhaupt bei einer Mastitis in deinem Körper passiert. Ein wichtiger Hinweis noch am Anfang: Wie in allen medizinischen Berufen ist auch hier kein Heilversprechen möglich. Der menschliche Körper ist viel zu vielfältig, als dass ich behaupten könnte, dass eine bestimmte Behandlung zum Ergebnis X führen wird.


Entstehung eines Milchstaus und daraus resultierende Mastitis

Eine Brustentzündung (Entzündung der Brustdrüse um genau zu sein) entsteht meistens durch einen nicht behandelten Milchstau. Sehr viele Frauen bekommen eine entzündete Brust etwa eine Woche nach der Geburt. Also es ist eher üblich als unüblich.

Bei einem Milchstau können Milchgänge platzen, wenn in den Milchgängen ein hoher Druck aufgebaut wird. Meist sind nur Teile der Milchgänge betroffen, die beim Saugen des Kindes nicht stark genug abgesaugt werden. Wenn ein Milchgang platzt, sickert die Milch ins Bindegewebe. Das Bindegewebe behandelt die Milch wie einen Fremdkörper, löst eine Entzündung aus und bekämpft diese.

Sofern dann noch durch kleinste Öffnungen in der Brustwarze Bakterien von außen in die Brust gelangen, entzündet sich die Brust noch stärker.


Die Vorbeugung

Brustdesensibilisierung zur Vorbeugung von Stillschwierigkeiten


Aus meiner jahrelangen Zusammenarbeit hat sich herauskristallisiert, dass eine gute Vorbereitung im letzten Schwangerschaftsdrittel Gold wert ist. Oftmals entsteht ein Milchstau dadurch, dass die Mutter beim Stillvorgang zu starke Schmerzen bekommt und dann eher geneigt ist, abzubrechen. Das geht so weit, dass es in die Psyche geht. Wenn die Mutter schon vor dem Stillen denkt "oh nein, gleich tut es wieder weh, ich will das eigentlich gar nicht", wird es wahrscheinlich noch schlimmer.

Doch wie kann man denn da schon vor dem eigentlichen Stillen gegensteuern?

Ein Baustein der helfen kann, ist die frühzeitige Brustdesensibilisierung im letzten Schwangerschaftsdrittel. Sie dient der Vorbeugung von Schmerzen durch einen Milchstau und wunden Brustwarzen, weil der Druck beim Saugen schmerzhaft sein kann. Erst recht, wenn die Babys Zähne bekommen. Da es geteilte Meinungen zu dieser Thematik gibt, gehe ich hier nicht weiter darauf ein. Es gibt Anleitungen, wie die Brust desensibilisiert werden kann, doch ist es von Frau zu Frau unterschiedlich, wie erfolgsversprechend diese Methoden sind. Du findest bei Google sicherlich noch mehr Informationen über dieses Thema.


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Brustmassage zur Vorbeugung von Milchstau - besserer Milchfluss und Brustentleerung


Eine Brustmassage bewirkt nicht nur einen besseren Milchfluss vor dem Stillen, sondern auch, dass die Gefäße nicht verkleben. Außerdem können sich die Brustwarzen vergrößern was wiederum dazu führt, dass das Baby besser ansetzen kann.

Ab der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) kannst du durch eine Brustmassage Erstmilch (Kolostrum) gewinnen, was ein schöner Nebeneffekt ist. Aber darum geht es hier ja gar nicht.


Wie die Milch besser fließen kann


Vor jedem Stillen, besonders innerhalb der ersten 3 Tage nach der Geburt, sollte die Brust für ca. 20 bis 30 Sekunden leicht gestreichelt werden. Dafür wird die Brustmassage nach Plata Rueda oder Marmet empfohlen.

Brustmassage
 © coloringcuties - Pixabay

Eine kurze Massage-Anleitung:

  • Nimm deine Brust zwischen deine waagrechten flachen (warmen) Hände und schiebe das Drüsengewebe mit sanftem Druck hin und her. Wiederhole den Vorgang, indem du deine Brust zwischen deine senkrechten Hände nimmst. Der Druck soll so sein, dass es keinesfalls weh tut, sondern sich angenehm anfühlt. Die Hände sollten nicht über die Haut rutschen, daher ist Massageöl nicht geeignet.
  • Streiche anschließend sternförmig mit beiden Händen vom Brustansatz über die Brust und über die Brustwarze hinaus. Wiederhole dies mehrfach mit versetzen Händen.
  • Nach der Massage beuge dich vor bis die Brust frei hängt und schüttele sie sanft aus (sogenannter Schüttelshake).
  • Damit für die Kolostrum-Gewinnung der Milchspenderreflex ausgelöst werden kann, sollte diese Brustmassage ebenfalls vor der Handentleerung durchgeführt werden.

Eine kurze Handentleerungs-Anleitung:

  • Positioniere deinen Daumen und Zeigefinger parallel ca. 2 bis 3 cm hinter der Brustwarze.
  • Drücke jetzt waagerecht in Richtung Brustkorb und führe deinen Daumen und Zeigefinger leicht nach vorn zusammen.
  • Das wiederholst du nun bis die Brust entleert ist.

Für eine visuelle Unterstützung kann dieses Video angesehen werden:



Ausstreichen von Muttermilch - Quelle: Youtube | Tabea Laue

Behandlungstipps der Mastitis / Brustdrüsen Entzündung

Wenn du trotz der ganzen präventiven Maßnahmen eine Mastitis entwickeln solltest, heißt es nicht direkt, dass du abstillen musst. Sicher, der Weg des Abstillens ist für dich vielleicht der wahrscheinlich schmerzfreiste, doch kannst du auch erst einmal andere Tipps beherzigen:

  1. Häufige Brustentleerung
  2. Hygiene beim Stillen (Hände waschen, besonders nach dem Windelwechsel)
  3. Wärme vor dem Stillen zuführen, gegebenenfalls mit einer Rotlichtlampe
  4. Nach dem Stillen -> Brust nach Knoten (Milch) abtasten und über Waschbecken ausstreicheln/leicht klopfen, am besten mit warmem Wasser
  5. Kühlen der Brust nach dem Stillen (Achtung: nicht zu kalt, da sonst die Durchblutung zu stark wird und die Schmerzen durch die anschwellende Brust noch stärker werden!)
  6. Festen, gut sitzenden Still-BH benutzen
  7. Bei starken, andauernden Beschwerden zum Arzt gehen. Und sofern hohes Fieber diagnostiziert wird, bekommst du eventuell Antibiotika und sollst Bettruhe halten. In schwierigen Fällen kann der Arzt auch Milchproduktion stoppende Medikamente verschreiben

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Rebecca Teetzen - Hebamme in Hamburg

Nun kurz ein wenig zu mir, damit du dir bildlich vorstellen kannst, wer diesen Text getippt hat und aus welchem Kopf das Fachwissen stammt. Egal wie unpersönlich das Digitale scheinen mag, gerade auch jetzt in der Zeit sollten wir versuchen das Persönliche nicht zu vernachlässigen.

Mein Name ist Rebecca Teetzen, eine glückliche freiberufliche Hebamme aus Hamburg mit einer kleinen Anstellung (25 %) in einem Kreißsaal. Seit meiner Kindheit wollte ich Hebamme werden. Ich wollte aber noch mehr, denn der medizinische Bereich im Allgemeinen interessiert mich sehr. So wurde ich zuerst examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, bevor ich meine Ausbildung zur Hebamme gemacht habe. Als freiberufliche Hebamme in Hamburg bin ich auch erfolgreiche Unternehmerin und Expertin für freiberufliche Hebammenarbeit bei Einfach-Hebamme.de, der einzigen Hebammen Unternehmensberatung in Deutschland. Wir verhelfen Hebammen zu mehr Verdienst bei enormer Betreuungsqualität und weniger Zeiteinsatz.


Hebamme Teetzen
 © Rebecca Teetzen

Du wohnst in Hamburg und möchtest gern von mir betreut werden? Mit Professionalität, Herzlichkeit und Empathie begleite ich dich gern durch die Schwangerschaft und das Wochenbett. Schau auf meine Website, ob auch dein Stadtteil von mir angefahren wird.


Appell an die Hebammen Mitleserinnen

Nicht selten ist mir aufgefallen, dass Hebammen sich nicht trauen fundiert über das Stillen zu beraten. Viele sagen ihren Betreuungen, dass sie lieber eine Stillberaterin konsultieren sollen. Eine, die eine IBCLC (International Board Certified Lactation Consultant) Ausbildung oder eine vergleichbare Fortbildung besucht hat. Sicherlich haben diese Fort-/Weiterbildungen und Zertifizierungen eine Daseinsberechtigung, doch bitte, liebe freiberufliche Hebammen Kolleginnen:

Ihr habt fast täglich mit Stillproblemen zu tun und auch in unserer Ausbildung haben wir alles beigebracht bekommen um Frauen und Babys bei Stillproblemen zu helfen, sie aufzuklären und vor allen Dingen vorzubereiten auf die anfängliche Stillzeit.

Wenn du dir beim Thema unsicher bist, kannst du dir exzellentes Wissen durch Bücher oder Kolleginnen aneignen. Eine ganze IBCLC Ausbildung brauchst du in den meisten Fällen nicht! Hab Mut, beschäftige dich mit dem Thema und vertrau dem, was du bisher gelernt hast.



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